Monatsspruch Dezember

Meine Seele warte auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen. (Ps. 130, 6)

Für kleine Kinder ist die Adventszeit und schließlich Weihnachten eine so aufregende Zeit, dass sie, wenn sie vorbei ist, das kommende Jahr kaum erwarten können. Da ist der Adventskalender, der jeden Tag eine neue Überraschung parat hat, es gibt Weihnachtsfeiern, alles wir schön geschmückt, man darf seinen Wunschzettel schreiben und schließlich ist da überall diese Heimlichtuerei. Und dann am Heiligen Abend platzt man fast vor Neugier, weil man sich so sehr auf seine Geschenke freut.

Ich denke, das ist es, was der Psalmist in dem Monatsspruch zum Ausdruck bringe will. Die Vorfreude meines Innersten -meiner Seele- auf den Herrn soll größer sein, als die Sehnsucht von Wachen auf den Morgen. So wie wir als kleine Kinder die Weihnachtszeit kaum erwarten konnten, so sehnen sich Wachen in einer kalten, langen, dunklen Nacht nach den ersten Sonnenstrahlen, nach der Wachablösung, nach dem verdienten Schlaf. Jeder kann sich diese Sehnsucht, diesen Wunsch, dieses innerste Bedürfnis der Wachen vorstellen, auch wenn er nie bei der Armee (wie ich) war. Daher ist es so ein kräftiges und wundervolles Bild, das der Psalmist hier verwendet.

Auf etwas warten ist immer mit Ungeduld, mit Aufregung, mit Nervosität verbunden. Geht es mir so, wenn ich an Gemeinschaft mit Gott denke? Oder geht es uns so, wie es uns Erwachsenen in der Advents-und Weihnachtszeit oftmals geht? Da ist doch oft keine Vorfreude mehr da, sondern beim Gedanken an Weihnachten kommen eher die Sorgen, was noch alles zu tun ist, wie man das alles unter einen Hut bekommt, wo die Zeit schon wieder hin ist und dass man sich noch gar nicht in Stimmung fühlt. Da ist keine Spur von Vorfreude. Dabei spricht der Psalmist genau in den Advent hinein, denn der Herr kommt doch an Weihnachten. Und die Adventszeit ist die Zeit des Wartens auf seine Ankunft, die Zeit der Vorbereitung. Und an Weihnachten hat das Warten ein Ende. Jesus ist da und damit ist der Morgen für uns erreicht -auch jetzt in der dunklen, kalten Nacht schon. Wenn du dich also auch ertappt fühlst, dass tief in dir drin gar keine echte Vorfreude, kein freudiges Warten ist, dann mache dir klar, dass wir auch nicht mehr warten müssen. Jesus ist schon mitten unter uns. In der Adventszeit erinnern wir uns daran, dass das nicht immer so war. Und an Weihnachten können wir dankbar sein, dass wir in einer Zeiten leben dürfen, wo Jesus mitten unter uns ist und die Nähe zu uns sucht. Und wenn du dich fragst, was dir das bringt, da du ja trotzdem noch in der kalten, dunkeln Welt stehst, dann mache dir bewusst, dass Jesus mit dir friert und dir die Zeit so angenehm wie möglich machen will, indem er bei dir ist und die Zeit mit dir durchsteht.

In diesem Sinne wünsch ich euch, dass eure Seelen nicht auf den Herrn warten, sondern sich daran erfreuen, dass der Herr da ist und ihr Gemeinschaft mit ihm haben dürft – an Weihnachten, in der Adventszeit und an jedem anderen Tag im Jahr. Eine frohe Weihnachtszeit euch allen.

(C.Kuhl)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.